Mecklenburger Trachten in Schleswig-Holstein – Warum?

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Dies ist eine Frage, die die Tanzgruppe oft gestellt bekommt. Und die Antwort löst immer einiges Erstaunen aus. „Weil Lauenburg mal zu Mecklenburg, genauer zu Preußen gehört hat“. Diese Antwort ist zwar sehr knapp und zugegeben etwas ungenau, aber zu exakten Klärung dieser Frage ist regelrecht eine Geschichtsstunde nötig. Lauenburg hat nämlich eine sehr wechselhafte Geschichte hinter sich, und man hätte unter zahlreichen Trachten wählen können.

Fangen wir aber ganz von vorne an. Gegründet wurde Lauenburg von Bernhard von Askanien im Jahr 1182. Vielleicht aber auch von den Dänen im Jahr 1209, wer weiß das schon? Wir jedenfalls nicht und so wählte man schon mal nicht die dänische Tracht.

Bis 1689 war Lauenburg ein Herzogtum, also in der Hand der Askanier-Herzöge. Aus dieser Zeit ließ sich keine spezielle Tracht finden, es sei denn, mit zwei zugedrückten Augen, die sächsische. Das Gebiet um die Stadt herum nannte man nämlich unter Erich dem Ersten und Albrecht dem Dritten von Askanien „Sachsen-Lauenburg“. Aber da es kaum andere Berührungspunkte zu Sachsen gab, entschied man sich auch nicht dafür.

Danach war Lauenburg beinahe 100 Jahre lang preußisch. Dies war eigentlich schon Grund genug sich die Trachten, die in Preußen üblich waren, zumindest mal genauer anzusehen. Aber es ging ja noch weiter mit dem Gerangel um die Stadt.

1810 waren die Lauenburger Franzosen, da die Stadt bei der „Konvention von Artlenburg“ dem „Département des Bounches de l’Elbe“ zugesprochen wurde, sprich von Französichen Kaiserreich besetzt war. 1813 war das aber schon wieder vorbei, da die napoleonischen Truppen beim „Gefecht von Lauenburg“ mithilfe der allieerten Hamburger zurückgeschlagen wurden. Man hätte also aus Dank auch eine hamburgische Tracht wählen können. Der Grund schien aber niemanden ausreichend und mit hamburgischen Kostümen laufen eh schon genug rum. Und die französische? Mal ganz ehrlich: Wer will schon die Tracht der Besetzer tragen? Wir nicht, also kam das auch nicht in Frage.

1865, nach dem der Deutsch-Dänische Krieg zu Ende war und der „Frieden von Wien“ ausgesprochen wurde, wurde die Gegend um Lauenburg herum aufgeteilt. Im „Gasteiner Vertrag“ ist nachzulesen, dass Schleswig an Preußen übergehen sollte, Holstein an Österreich und Lauenburg wiederum an Seine Majestät, König Wilhelm der Erste von Preußen. Nun war man schon wieder preußisch und zwar genau genommen ein Teil von Preußisch – Mecklenburg.

Wie man sieht, war die lauenburgische Gegend die meiste Zeit in preußischer Hand. Zudem entstand in dieser Zeit auch die Bezeichnung „De Kohlplanters“, ein Spitzname für die Lauenburger Bürger. Und so wählte man nach langem Herumexperimentieren mit T-Schirts, mit einer Art „Russen-Kostüm“, mit verschiedenen Kostümröckchen, mal mit Mieder, mal mit Schultertuch, die mecklenburger Trachten, die noch heute das Bild der Gruppe prägen. Und auch, wenn wir immer wieder darauf angesprochen werden, dass wir doch mal auf die schwarze Tracht umsteigen sollten, die vor ca. 200 Jahren in dieser Gegend aufkam wir sind uns einig, dass wir nach dieser illustren lauenburgischen Geschichte die richte Wahl getroffen haben und außerdem, wie schon der Pommern-Fritz sagte: „Jeder soll nach seiner Facon selig werden“- und wir sind`s.

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